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Frankfurt, 17.07.2020 – Die mit der COVID-19-Pandemie verbundenen Einschränkungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat den Märkten in der gesamten Region EMEA im 2. Quartal weiter zugesetzt. Es sieht so aus, als ob in der zweiten Jahreshälfte die Auswirkungen auch für die Immobilienmärkte eine der wichtigsten Performance-Determinanten bleiben werden. Die makroökonomischen Indikatoren deuten auf den stärksten jemals verzeichneten Rückgang im 2. Quartal hin, dem eine zwar kräftige, aber bei weitem nicht vollständige Erholung im 3. und 4. Quartal folgen könnte. Dies vor dem Hintergrund, dass die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie gelockert wurden, die Fiskal- und Geldpolitik die Unternehmen und den Arbeitsmarkt weiterhin stützen und sich das Verbraucherverhalten allmählich normalisiert. Auch die Transaktionsaktivitäten dürften bis Ende des Jahres wieder zunehmen, die Preisfindung wieder weniger intransparent sein – bei günstig bleibenden Finanzierungsbedingungen.

Zwei Märkte mit Zuwachs bei Büromieten – keine scharfe Korrektur der Spitzenmieten bis Ende des Jahres erwartet

.Der gewichtete europäische Büro-Mietpreisindex von JLL* legte im 2. Quartal 2020 nur um 0,4 Prozent zu. Mit Hamburg (+ 3,4 %) und Paris (+ 1,2 %) notierten lediglich zwei der 24 Index-Städte ein Mietpreiswachstum. In allen anderen Index-Märkten blieben die Spitzenmieten stabil. Mit 2,3 Prozent liegt das jährliche europäische Mietpreiswachstum unter dem 10-Jahresschnitt von 2,8 Prozent, der 5-Jahresschnitt (3,6 %) ist deutlicher unterschritten. „JLL geht davon aus, dass die europäischen Spitzenmieten keine scharfe Korrektur erleben werden. Rückgänge in 2020 werden in einigen europäischen Städte voraussichtlich im niedrigen einstelligen Bereich zu registrieren sein“, so Hela Hinrichs, Senior Director, JLL EMEA Research & Strategy

Büroflächen-Nachfrage mit Rekordtief im zweiten Quartal

Nach Inkrafttreten der meisten Beschränkungen in der Region EMEA Anfang März wurden im zweiten Quartal die meisten neuen Mietabschlüsse (außer denen, die für Unternehmen von entscheidender Bedeutung waren und sind) auf Eis gelegt. Das führte zu einem Rückgang des europäischen Büroflächenumsatzes in den Monaten April bis Ende Juni auf ein Rekordtief von ca. 1,7 Mio. m², entsprechend einem Rückgang um die Hälfte gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (westeuropäische Märkte:- 53 %; mittel- und osteuropäische Märkte – 39 %). Nur ein Markt (Luxemburg) unter den 24 Index-Märkten hatte keinen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Für das gesamte Halbjahr mussten Einbußen von 41 Prozent in Westeuropa bzw. 32 Prozent in den mittel- und osteuropäischen Märkten hingenommen werden (H1 2020/ H1 2019).

„JLL geht zwar von einer Erholung im 4. Quartal 2020 und im 1. Quartal 2021 aus. Das Vermietungsvolumen dürfte 2020 aber rund 30 Prozent unter dem 3-Jahres-Durchschnitt (2017, 2018, 2019) liegen; 2021 könnten es gegenüber dem gleichen Zeitraum – 15 Prozent sein. Das Tempo von Vertragsverhandlungen ist und wird verhaltener sein. Das wird sich dann ändern, wenn die gegenwärtig vorherrschende Unsicherheit wieder mehr Vertrauen Platz gemacht hat und die Rahmenbedingungen sich verbessert haben. Zu beobachten ist bereits ein wachsendes Interesse an Anmietungen aus Wachstumssektoren wie der Konsumgüterbranche, dem E-Commerce, seitens der Neuen Medien oder Technologieunternehmen“, sagt Hela Hinrichs.

Leerstandsquote nur leicht gestiegen – Niveau bleibt niedrig

Die Leerstandsquote für Büroflächen in Europa ist im 2. Quartal 2020 um 20 Basispunkte auf 5,8 Prozent leicht angestiegen. Europaweit verzeichneten fünf der 24 Index-Städte einen Rückgang des Leerstands im 2. Quartal.  Dagegen stieg die Flächenverfügbarkeit in 14 Indexstädten.

Quelle: JLL (PM vom 17.07.2020)