©www.shutterstock.com

Frankfurt, 27.8.2018 – Der Vorwurf, Quartalsberichte würden Unternehmen und Investoren zu kurzfristiger Denke verführen, ist alt.

Neuen Schub hat er erhalten durch einen Tweet des amerikanischen Präsidenten, in dem er die amerikanische Börsenaufsicht auffordert, eine Abschaffung der vierteljährlichen Berichtspflicht zu prüfen. „Nein, Herr Trump, Quartalszahlen müssen bleiben“, wendet sich nun Christoph Schlienkamp, Vorstandsmitglied der DVFA und Leiter ihrer Kommission Unternehmensanalyse, gegen diesen populistischen Vorschlag.

Schlienkamp, im Hauptberuf Analyst beim Bankhaus Lampe, ist überzeugt, dass sich der Mehraufwand, den die Unternehmen gegenüber der Halbjahresberichterstattung leisten müssen, auch aus ihrer Sicht lohne. Die durchstrukturierten Schemata der internationalen Rechnungslegungsstandards böten Orientierung für die eigene Rechnungslegung. „Und der Vorstand hat mehr Gelegenheiten, die Kapitalmarktstory des Unternehmens zu präzisieren und weiterzuentwickeln, also gerade die eigenen Besonderheiten noch deutlicher herauszuarbeiten“, so Schlienkamp.

Investoren würden das jeweils aktuelle Zahlenwerk mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Kapitalflussrechnung brauchen, um wesentliche Veränderungen, auffällige Posten, Ereignisse im relevanten Umfeld (Politik, Technologie, Wettbewerb o.ä.) sowie Prognosen nachvollziehen zu können. Verkürzte Darstellungen seien möglich, zumal seit 2016 für die Berichtspflichten börsennotierter Unternehmen in Q1 und Q3 neue Regelungen gelten würden. „Seitdem können Freiheitsgrade genutzt werden“, so Schlienkamp. Allerdings sollten auch branchentypische Besonderheiten und die entsprechenden Kennzahlen mit berücksichtigt werden, rät der erfahrene Small Cap-Analyst. „Segmentinformationen sind auch im Dreimonats-Rhythmus unerlässlich, um die Geschäftsentwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen besser von außen beurteilen zu können“, so Schlienkamp.

Wenn in diesem Jahr nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer EY so viele Gewinnwarnungen veröffentlicht worden seien wie schon lange nicht mehr, dann liege das nicht an der Berichtspflicht selbst, sondern an zuvor zu Unrecht geweckten Erwartungen. Würden die Quartalsberichte entfallen, sieht Schlienkamp die Gefahr, dass die erratischen Kursausschläge noch zunehmen würden. „Es sind die Zeiten zwischen den Berichten, in denen die Anleger zittrig werden“, so Schlienkamp. „Zeiten ohne Fakten sind Zeiten für Gerüchte“. Das haben Forscher der Universität von Pennsylvania und der London Business School in einer aktuellen Studie* auch nachgewiesen. Fehlten unternehmenseigene Zahlen, so würden Investoren anhand anderer Quellen den Geschäftsverlauf erraten. Oft würden sie dann – in die eine oder andere Richtung – überreagieren, was bei Vorlage der echten Zahlen zu umso heftigeren Korrekturen führe.

Quelle: DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V., Pressemitteilung vom 27. August 2018