© pixabay

Landshut, 04.10.2018 – Man kann alles erreichen – man muss es nur wollen! Das hat sich Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Herzen genommen und ist nun neben Staats-, Regierungs-, Militär- und Parteichef auch Fondsmanager. In einem Überraschungscoup hat Erdogan kurzerhand die gesamte Führung des türkischen Staatsfonds entlassen, sich selbst zum neuen Vorsitzenden und seinen Schwiegersohn und Finanzminister Berat Albayrak zum Vizevorsitzenden gemacht und zudem sieben neue Mitglieder ernannt.

Der türkische Staatsfonds (TVF), der nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu einen Wert von 40 Milliarden US-Dollar hat – andere Quellen sprechen inzwischen von bis zu 200 Milliarden US-Dollar -, wurde 2016 nach dem Putschversuch eingerichtet, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Das Portfolio des Fonds umfasst Beteiligungen an der Fluglinie Turkish Airlines, der Turk Telekom, an der Post, der Bahn, der Lotterie, an Öl- und Pipelineunternehmen, an der Börse in Istanbul, an einem Satellitenbetreiber, an einem Minenbetreiber, einem Teehersteller und auch an zwei Banken, der TC Ziraat und der Turkiye Halk Bankasi. Der Fonds ist seit Gründung kaum in Erscheinung

getreten, seine Ziele und Strategien blieben unklar.

Wie es nun mit dem Fonds weitergeht und was aus den Beteiligungen wird, liegt nun letztlich bei Erdogan selbst. Er kann nun alle Verwaltungsratsmitglieder sofort wieder entlassen, sollten sie sich ihm nicht unterordnen.

Seit Jahresbeginn hat die Lira über 40 Prozent ihres Wertes verloren. Die Beteiligungen als Sicherheit für Kredite zu verwenden, ist eine Möglichkeit. Das Vertrauen in die Währunghaben Investoren aufgrund der starken Inflation verloren. Die Türkei ist seit Anfang des Jahres in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Dies führte dazu, dass die Konjunktur stark an Fahrt verloren hat. Viele Unternehmen haben Kredite in Dollar oder Euro aufgenommen, und durch den Verfall der eigenen Währung ist eine Rückzahlung für viele fast nicht mehr möglich geworden.

Diese Entwicklung könnte nur durch die Zentralbank durch eine deutliche Anhebung des Leitzinses aufgehalten werden. Und genau das hat die Notenbank am 13. September 2018 gemacht, ausdrücklich gegen den Willen von Präsident Erdogan, der strikt dagegen war. Er sieht die Zinsen als „Instrument der Ausbeutung“ und„seine Geduld hat Grenzen“.

Als Chef des Staatsfonds hat Erdogan die Möglichkeit, die Zentralbank und andere staatliche Organisationen nach seiner Willkür vor sich herzutreiben und somit seinen Einfluss auf die türkische Notenbank weiter zu zementieren. Neben dem Präsidialrecht, den Zentralbankchef nach Gutdünken zu besetzen oder auch zu entlassen, bekommt Präsident Erdogan mit dem Vorsitz im Staatsfonds eine weitere mächtige Waffe, die Wirtschaft der Türkei zu seinem Privatspielzeug zu machen.

Autor: epk media