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Landshut, 18.10.2018 – Zehntausende Gläubiger müssen sich nach dem Milliardenbetrug der Containerfirma P&R weiterhin in Geduld üben. Insolvenzverwalter Michael Jaffé hält einen schnellen Verkauf der vorhandenen 630 000 Schiffscontainer nicht für sinnvoll. Jaffé hofft, bis Ende 2021 mit der Vermietung der Container 560 Millionen Euro zu erwirtschaften. Für das Jahr 2020 ist die erste Abschlagszahlung geplant.

Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden bis zu zwei Milliarden Euro der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 nach dem Flowtex-Skandal sein. Auf dem Betrug folgt die politische Diskussion: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick wirft der Finanzaufsicht Bafin Versäumnisse vor und fordert mit seinem Verein „Finanzwende“ eine aktivere Rolle der Aufsicht. In Fachkreisen wurde schon lange über Unstimmigkeiten bei dem Geschäftsmodell von P&R gemunkelt.

Viele P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Jaffé sind fast ein Drittel der Anleger über 70 Jahre alt. Vom Münchner Nobelvorort Grünwald aus verkaufte P&R die Schiffscontainer und vermietete diese dann an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite für die Anleger finanziert werden. Zudem bot P&R den Rückkauf der Container nach fünf Jahren an.
Im März dieses Jahres, zum Zeitpunkt des Insolvenzantrages, hatten ca. 54 000 Anleger rund 3,5 Milliarden Euro investiert. Aber neben den rund 630 000 tatsächlich existierenden Containern wurden den Anlegern etwa eine Million Container verkauft, die es gar nicht gibt.
Für sich persönlich hatte Firmengründer Heinz Roth eine komfortable Existenz geplant. Nach einem Anlegerprospekt wollte er sich selbst von 2017 bis 2022 ein Gehalt und Gewinnbeteiligungen in Höhe von 32 Millionen Euro auszahlen. Mittlerweile sitzt Roth in Untersuchungshaft.

Dem Insolvenzverwalter Jaffé plagen derweilen andere Sorgen: Das rechtliche Konstrukt der P&R-Gruppe erschwert den Zugriff auf die zu erwartenden Mieteinnahmen. Die Container wurden in Deutschland verkauft. Die anschließende Vermietung lief und läuft aber über die Schweizer P&R-Gesellschaft, welche nicht im Insolvenzverfahren ist. Somit erschwert sich der Zugriff des deutschen Insolvenzverwalters.

Autor: epk media